Alltagskompetenz

Alltagskompetenz –Was bedeutet das?

 

Der Begriff Alltagskompetenz wird im elften Sozialgesetzbuch in § 45a im zweiten Absatz untersucht. Die Alltagskompetenz ist die Fähigkeit, alltägliche Aufgaben selbstständig und eigenverantwortlich zu erledigen. Im Gesetz geht es hauptsächlich um die Frage, wann diese als eingeschränkt gilt, so werden 13 Kriterien aufgeführt, welche zur Klärung dieser Frage zu untersuchen sind. Bei Erfüllung zweier Kriterien, dabei mindestens eines der ersten neun, liegt laut Gesetz eine Einschränkung der Alltagskompetenz vor, welche zusätzlich zum Bedarf an Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung auch einen erheblichen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung bedeutet.

 

Wann liegt eine Einschränkung der Alltagskompetenz vor?

 

Damit die Einschränkung der Alltagskompetenz als erheblich und dauerhaft anerkannt wird, müssen mindestens zwei der im Gesetz aufgeführten Kriterien erfüllt sein.

 

Mindestens eines davon muss entweder

1. unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereiches (Weglauftendenz),

2.Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen,

3. unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen,

4. tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation,

5. im situativen Kontext inadäquates Verhalten,

6. die Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen,

7. die Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung,

8. Störungen der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben oder 9. die Störung des Tag-/Nacht-Rhythmus sein.

 

Zusätzliche  Kriterien können

1. die Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren,

2. das Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren in Alltagssituationen,

3. ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten oder auch

4. zeitlich überwiegende Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression sein.

 

Treffen nun zwei oder mehr der aufgeführten Kriterien auf die betroffene Person zu, wird die Alltagskompetenz dieser durch den Gutachter als eingeschränkt anerkannt.

 

Was bedeutet dies für die betroffene Person?

 

Der Bedarf allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung wird bei dieser Anerkennung dann nicht nur bei Personen mit einer Pflegestufe, sondern auch bei Personen ohne Pflegestufe, aber mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen anerkannt, bei denen Auswirkungen auf das tägliche Leben laut Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung oder eines Gutachtens nach § 18 SGB XI. festgestellt wurden. Mit dieser Anerkennung gehört die Person dann dem berechtigten Personenkreis nach § 45a SGB XI. an, welcher zusätzliche Betreuungsleistungen erhalten kann. Bei Personen mit einer erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz werden dann zusätzliche Betreuungsleistungen nach § 45b SGB XI. im Wert von 100 € monatlich erstattet, bei erhöhtem Betrag werden Sachleistungen im Wert von 200 € pro Monat auf Antrag zusätzlich erstattet. Als Sachleistungen im Sinne dieses Paragraphen stehen Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege, allgemeine Anleitung und Betreuung durch einen zugelassenen Pflegedienst und die landesrechtlich anerkannten niedrigschwelligen Betreuungsangebote, welche nach § 45c SGB XI. förderfähig sind, zur Auswahl.

 

(Quelle: §§ 18, 45a, 45b SGB XI.)

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Eine Antwort auf Alltagskompetenz

  1. Hans Maier sagt:

    Hallo,

    Meiner Erfahrung nach sollte sich jeder früher oder später mit diesem Thema befassen, denn spätestens wenn es nicht nur die Bekannten oder Verwandten betrifft, sondern auch sich selbst, ist es wichtig sich über das Alt werden Gedanken zu machen.
    Einschränkungen in der Alltagskompetenz können bei vielen unterschiedlich Folgen nach sich tragen. Je nach Pflegestufe und -form muss eine andere Art der Pflege angewendet werden, welche dann sehr nützlich sein und das Leben um Einiges bereichern kann. Auf http://pflegeberater.org/pflegeformen/pflegeformen-leistungen-uebersicht/ bekommt man eine schnelle Übersicht über die unterschiedlichen Pflegearten, welche mir persönlich geholfen hat, mich gegen ein Altenheim für meinen Vater und für eine 24-Stunden-Pflege zu entscheiden.
    Ich kann es nur jedem ans Herz legen, sich mit Altenpflege zu befassen und sich zu vergewissern, dass es bald dem Angehörigen oder einem selbst gut gehen wird.

    Liebe Grüße,
    Hans M.

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